Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat sogenannte Glaubenstests für konvertierte Flüchtlinge durch deutsche Behörden scharf kritisiert. "Es ist unerträglich, wenn Behörden meinen, Christinnen und Christen, die in Deutschland getauft wurden, einem Glaubenstest unterziehen zu können", sagte sie am Samstag bei einem interkulturellen Weihnachtsfest in Hannover.
"Die Rückkehr nach Afghanistan in Sicherheit und Würde" sei derzeit nicht zumutbar, stellen die hessischen Landeskirchen in ihrer "Kasseler Erklärung" fest. Dem Schreiben zufolge wollen sie weitere Menschen aus Afghanistan aufnehmen und Abschiebungen in das Krisenland stoppen.
In einigen Kirchengemeinden in Deutschland hat es in den vergangenen Monaten "Massentaufen" von Flüchtlingen gegeben, vor allem aus dem Iran, Afghanistan oder Pakistan, berichtet der NDR. Die Behörden prüfen solche Konversionen kritisch, denn die Taufe kann eine drohende Abschiebung verhindern.
Um das Thema Kirchenasyl wurde in den vergangenen Monaten und Jahren heftig gestritten – zuletzt befeuert durch die Flüchtlingswelle aus dem Nahen Osten und Afrika. Bundesinnenminister Thomas de Maizière stellte sich in Stuttgart einer Diskussion mit der früheren EKD-Ratspräses Katrin Göring-Eckardt und anderen Befürwortern dieser "letzten Zuflucht".
Fast alle Kirchenasyle sind 2014 erfolgreich für die betroffenen Flüchtlinge ausgegangen. Wie die ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche am Montag in Berlin mitteilte, mündeten 206 der im vergangenen Jahr abgeschlossenen 212 Fälle mindestens in einer Duldung.
Zwischen Bundesregierung und den Kirchen gibt es einen Kompromiss in Sachen Kirchenasyl. Bundesamtspräsident Manfred Schmidt sagte der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest-Zeitung" (Freitagsausgabe): "In bestimmten Fällen werden wir das Kirchenasyl zu akzeptieren haben."